Veranstaltungen im Gedenken an das Novemberpogrom

1. November 2018

9. November 1938. Die SA-Führung ordnete nach einer Hetzrede von Goebbels landesweite Pogrome gegen Juden an: »Gewaltbereite und völlig enthemmte Trupps wüteten im ganzen Land mit großer Brutalität. Synagogen und Gemeindehäuser wurden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte, Kaufhäuser und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert. Mehr als 90 jüdische Bürgerinnen und Bürger fanden den Tod, über 25.000 jüdische Männer wurden in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau verschleppt. Dieses Pogrom leitete eine neue Etappe der Grausamkeiten deutscher Faschisten bei der Ausgrenzung, Verfolgung und letztlich Vernichtung der deutschen Jüdinnen und Juden ein.« (Dr. Inge Lammel, Ausstellung »Jüdisches Leben in Pankow – Vom Anbeginn zum Neubeginn«)

Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee im Jahr 1945 | Fotograf: Abraham Pisarek | Deutsche Fotothek

 

An den Pogromen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Nachbarn nutzten die Zerstörung jüdischen Eigentums zur Plünderung. Diese Überfälle auf jüdische Familien wurden häufig von jubelnden Schaulustigen begleitet. Unterstützung fanden die Gehetzten in dieser Nacht nicht. Auch im heutigen Bezirk Pankow wurden jüdische Geschäfte entglast – wie das des Schuhmachers James Klein. Und es wurden Menschen geschlagen und verschleppt – wie der jüdische Rechtsanwalt Herbert Eger.

Und heute, 80 Jahre danach, schauen wir auf wieder erstarkenden Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus – auf der Straße, in den neuen Medien, und in den Parlamenten. Nach einer großen Fluchtbewegung aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Syrien empfingen viele Menschen in Deutschland freundlich und offen Hunderttausende Menschen. Zugleich schürte der rechte Rand Angst und Hass. Den Worten folgten bald Taten: In 2016 rund tausend Brandanschläge auf Unterkünfte und unfassbare 2500 gewalttätige Angriffe auf Geflüchtete. Dieser Hass gegen Fremde wird von rechten Hetzern oft verknüpft mit dem Hass gegen Muslime – ein ebenso altes Motiv wie der Judenhass in Europa. Die AfD präsentiert sich hier nicht selten sogar als Beschützer der Jüdinnen und Juden in Deutschland vor dem Antisemitismus unter Geflüchteten. Dabei ist sie, wie die anderen rechten Parteien, ein Sammelbecken für Geschichtsrevisionismus, Holocaustleugnung und antisemitisches Verschwörungsdenken. Leider tritt Antisemitismus aber auch quer durch unsere Gesellschaft auf. Die Pogromnacht führte nach Auschwitz. »Nie wieder Auschwitz« heißt deshalb, sich gegen alle diese Erscheinungen zu stemmen, die in Richtung eines neuen Auschwitz weisen. Pogrome gegen Geflüchtete, Geschichtsrevisionismus, offener Antisemitismus, aber auch Israelhass erfordern mutigen Widerspruch und politisches Handeln.

Veranstaltungen und Ausstellungen im Bezirk Pankow

30. Oktober bis 9. November | Ausstellung: »Rückkehr unerwünscht« – Die Bilder des Zeugen Peter Edel
Frei-Zeit-Haus Weißensee, Pistoriusstraße 23, 13086 Berlin
Eine Ausstellung zum Gedenken.
VVN-BdA Kreisvereinigung Weißensee-Hohenschönhausen

6. November | 17 Uhr | Vortrag: Wer war Peter Edel? Versuch einer Annäherung
Frei-Zeit-Haus Weißensee, Pistoriusstraße 23, 13086 Berlin
Der Namensgeber eines gewesenen
Kulturhauses und kommenden Kultur-, Bürger- und Bildungszentrums
VVN-BdA Kreisvereinigung Weißensee-Hohenschönhausen

8. November | 20 Uhr | Lesung aus dem Roman »Jerusalemtag« mit der Autorin Ruth Fruchtman
Kurt-Tucholsky-Bibliothek, Esmarchstraße 18, 10407 Berlin
Improvisationen von Heiko Löchel am Fagott.
Kultur AG des Bürgerverein Pro Kiez Bötzowviel e.V. in Kooperation mit der Kurt-Tucholsky-Bibliothek; gefördert durch den Lesefonds des Berliner Senats

9. November | 10 Uhr und 11.30 Uhr | Kranzniederlegungen des Bezirksamts Pankow
Im stillen Gedenken an die Opfer legen der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, Michael van der Meer und Bezirksbürgermeister Sören Benn um 10 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Straße, Kränze nieder. Anschließend wird um 11.30 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee 23-25 an den 9. November 1938 erinnert. Beide Veranstaltungen sind öffentlich.

9. November | 18 Uhr | Andacht
Alte Pfarrkirche Pankow, Breite Straße 38, 13197 Berlin
Andacht – mit Musik und Texten von deutsch-jüdischen Komponisten und Autoren.
Evangelische Kirchengemeinde Alt-Pankow

10. November | 14 Uhr | Spaziergang zu Stolpersteinen und Gedenkorten in Pankow
Treffpunkt: Berliner Straße/Ecke Breite Straße (Café Apfelbaum)
Die Stolpersteingruppe Pankow lädt ein. Der Spaziergang dauert etwa eineinhalb Stunden.
Stolpersteingruppe Pankow

11. November | 10 Uhr | Gottesdienst
Alte Pfarrkirche Pankow
Breite Straße 38, 13197 Berlin
Gottesdienst zum Thema »Getaufte Juden«
Pfarrerin Stefanie Sippel / Gerhard Hochhuth Pfarrer i.R.
Evangelische Kirchengemeinde Alt-Pankow

20. November | 17 Uhr | Workshop »Stolpersteine«
Frei-Zeit-Haus Weißensee, Pistoriusstraße 23, 13086 Berlin
Vorgestellt werden das Projekt und die Möglichkeiten, sich vor Ort daran zu beteiligen. Besprochen werden Vorgehensweise und Quellen für die biografische Recherche.

Um Anmeldung wird gebeten: bda-weissensee-hsh@web.de
VVN-BdA Kreisvereinigung Weißensee-Hohenschönhausen

 

Stattgefunden haben schon:

19. September | 14.30 Uhr | Vortrag: Vor und nach dem Novemberpogrom 1938
Seniorenfreizeitstätte, Grellstraße 14, 10409 Berlin
Dr. Günter Wehner und Jutta Harnisch beleuchten Aspekte der Nazi-Politik gegenüber der jüdischen deutschen Bevölkerung.

14. Oktober | 10 Uhr | Rundgang: Judenverfolgung, jüdische Selbsthilfe und kommunistischer Widerstand in Prenzlauer Berg
Treffpunkt: Schönhauser Allee Ecke Schwedter Straße (U-Bhf. Senefelder Platz)
Historisch-Politischer Rundgang von und mit Eva Nickel
Jüdische Gemeinde zu Berlin

27. Oktober | 14 Uhr | Kiezrundgang durch das Bötzowviertel
Treffpunkt: Esmarchstraße 18 (Kurt-Tucholsky-Bibliothek)
Der Historiker und Anwohner Dr. Joachim Poweleit erzählt vor Ort Lebensgeschichten von jüdischen Bewohner*innen und dem damaligen jüdischen Leben im Kiez.
Bürgerverein Pro Kiez Bötzowviertel e.V. in Kooperation mit der BO Prenzlauer Berg der Berliner VVN-BdA e.V.

4. November | 11 Uhr | Matinee zum Gedenken – 80 Jahre nach der Pogromnacht
Ratssaal Rathaus Pankow
mit Karsten Troyke und Cornelia Schmaus
Ein musikalisches Programm mit Texten der Historikerin Dr. Inge Lammel aus ihren Büchern über das jüdische Leben in Pankow. Gastredner: Sören Benn, Bürgermeister von Pankow
Bürgerkommission Pankow, VVN-BdA Berlin-Pankow e.V.